Amtage bloggt Was man in Minden so hört

Startschuss: Ausblick auf Minden 2015

Das Einzige, was im Jahr 2015 in Minden sicher ist, ist der neue Verwaltungschef im Rathaus. Luftbild: Edwin-Dodd.com

2014 ade, das Scheiden tut nicht weh. So mag die Bilanz in Politik und Verwaltung der Stadt Minden aussehen, wenn die Verantwortlichen auf das gerade zu Ende gegangene Jahr zurückblicken. Die Bilanz dürfte recht kurz ausfallen und sich an ein paar Pflastersteinen festmachen lassen, die in der Innenstadt verlegt wurden. Ein im wahrsten Sinne des Wortes „plattes“ Leuchtturmprojekt. Keines, das herausragt.

Genau der richtige Zeitpunkt also, um nach vorne zu blicken auf das, was uns in Minden in diesem Jahr erwarten könnte. Nicht chronologisch und mit Sicherheit nicht vollständig, aber vielleicht doch ganz spannend.

Beginne ich dennoch mal im Januar. Denn Mitte des Monats soll ja bekanntlich eine Lösung in der Beigeordneten-Frage gefunden werden. Müssen die beiden zur Wiederwahl anstehenden Verwaltungsvorstandsmitglieder im Amt bleiben? Wird eine Übergangslösung gefunden? Wird neu ausgeschrieben?

Je nachdem wie diese Fragen beantwortet werden, wird sich zeigen, wie stark die im Mai 2014 nach der Kommunalwahl jubelnde SPD-Mehrheit tatsächlich ist. Läuft es auf eine Ausschreibung und dann folgende Neubesetzung der beiden Beigeordnetenstellen Mitte dieses Jahres hinaus, könnte das als ein Plus auf dem Konto der SPD bewertet werden. Kommt es nicht dazu, dürfte sich vor allem die CDU um Pokerface Ulrich Stadtmann freuen, die damit Zeit gewänne, noch mehr Einfluss in Politik und Verwaltung Mindens zu gewinnen. Gerade auch mit Blick auf das, was nach der Bürgermeisterwahl im Herbst folgen wird. Ob sich das Politgerangel positiv auf Minden auswirken wird, bezweifele ich allerdings stark.

Ist die Beigeordneten-Frage irgendwie gelöst (oder auch nicht), naht schon das Monatsende. Ein Zeitpunkt, an dem die Truppe um den Dinslakener Bauunternehmer Hellmich und den Insolvenzverwalter der ehemaligen Hertie-Immobilie am Wesertor zum Schwur kommen muss. Sind die Verträge mit den Grundstückseigentümern unter Dach und Fach? Wird es ein Sporthaus mit Fitnessstudio und Beiwerk an der oberen Bäckerstraße geben? Zumindest im Moment sieht es nicht danach aus, dass diese Frage positiv beantwortet werden kann. Aber, Wunder gibt es bekanntlich immer wieder.

Wo wir uns gerade in der Innenstadt aufhalten, spazieren wir doch mal zum Scharn, wo in diesem Jahr die Neupflasterung wohl nun tatsächlich beendet werden kann und eine neue Baumpracht einziehen wird. Dann wird es zwar wohl wieder was zum Nöseln geben und die Weihnachtsmarktbeschicker werden wieder was zum Kritisieren haben. Aber immerhin, es wird in Minden einmal etwas zum Abschluss gebracht. Was aber passiert auf der östlichen Scharn-Seite mit dem Häuserblock Alte Stadtverwaltung und Ex-Höltke? Wird der Düsseldorfer Projektentwickler ITG (der, der die Obermarktpassage Anfang der 1980er-Jahre gebaut hat) hier tatsächlich etwas für die Mindener Innenstadt Sinnvolles ansiedeln? Die Erwartungen sollten hier sicherlich nicht zu hoch geschraubt werden, zumal der sogenannte Rathaus-Innenhof vermutlich endgültig zum Hinterhof werden wird. Und die Quadratmeterpreise dort noch weiter verfallen.

Gewinner aber würde es natürlich auch geben: die Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH (MEW), die das Höltke-Gebäude hält, die Stadtverwaltung, die ihren Altbau mit dem ungeliebten Ratskeller endlich los wäre und den Geschäftsmann aus Todenmann und ehemaligen Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, dem die Pavillons zum Rathaus-Innenhof hin gehören und der rechtzeitig noch das Vorderhaus links neben Höltke gekauft hat. Man muss eben zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Riecher haben (und natürlich rechtzeitig die richtigen Informationen).

Wandeln wir nun einmal in Richtung Norden. Dort, an der Ringstraße, liegt immer noch das ehemalige Seitz-Enzinger-Noll-Gelände brach, auf dem eigentlich schon längst ein neues Kino stehen sollte. Doch zunächst waren es Probleme mit der Verkehrsführung, dann sicherlich andere Schwierigkeiten, die dazu führen, dass hier nichts geschehen ist. Das Erstaunliche ist, dass es auch keinen mehr wirklich zu interessieren scheint, was dort passiert. In Kreisen von Kinoplanern wird jedenfalls kolportiert, dass es hier kein Cineastentempel geben wird, was in der Gesamtgemengelage ehrlich gesagt nicht verwunderlich ist.

Nun haben wir die Wahl, Richtung Westen oder Richtung Osten zu gehen. Blicken wir aber erst einmal nach Westen auf die Klinikum-Brache an der Ringstraße/Friedrichstraße. Hier entstehen die ersten Erschließungsstraßen, so dass sich vermuten lässt, dass es hier tatsächlich weiter geht und die Volksbank Mindener Land die Sache anpackt. Unabhängig davon, wo noch Ein- oder Widersprüche liegen und der Klageweg beschritten wurde. Hochwertiges Wohnen und ein WEZ-(Super)-Supermarkt mit weiterem Handel werden den Bereich aufwerten. Gleichzeitig werden Teile der Nachbarschaft weiterhin schimpfen wie die Rohrspatzen. Und am Ende werden sich viele Mindener freuen, hier einkaufen und wohnen zu können.

Jetzt aber gehen wir mal nach Osten und betrachten die ehemalige Glashütte Gerresheim an der Friedrichstraße und den RegioPort an der Karlstraße. Ende 2015 wird das Glashüttengelände vermutlich genauso brach liegen wie zurzeit (bis auf die Lagerhausnutzung natürlich). Denn die angeblichen Interessenten, die dort investieren wollen, kommen nicht wirklich in die Puschen und die Politik und Verwaltung werden sich auch in diesem Jahr nicht einig werden, was hier sein darf und was nicht. Unterdessen träumt der ein oder andere Politiker weiter von blühenden Glashütten-Landschaften.

Wo wir aber gerade an der Friedrichstraße sind, blicken wir doch einmal auf den Traum, dass am alten Güterbahnhof und am Alten Weserhafen mit der alten Werft etwas passieren könnte. Meine Vermutung: wenn dort wirklich etwas Aufsehenerregendes geschieht, dann der Dreh eines spannenden Filmes mit dem ganzen maroden und verunreinigten Gelände als Kulisse. Aber selbst das wird wohl ein Traum bleiben.

So, aber nun vom Weserhafen zum RegioPort, dem anscheinenden Lieblingsprojekt von Bürgermeister Michael Buhre (SPD). Hier scheiden sich – wie so oft in Minden – auch in diesem Jahr mit Sicherheit die Geister. Die MEW-Tochter Hafen GmbH verweist zwar darauf, dass die aktuelle Hafenanlage an der Karlstraße aus allen Nähten platzt. Aber die Wirtschaftslage spricht zurzeit nicht wirklich dafür, dass der neue RegioPort tatsächlich zum Renner wird – auch, wenn er zweifelsohne ein Aushängeschild sein könnte für einen wichtigen Umschlagplatz für Wirtschaftsgüter.

Wir reden in Minden also über eine Menge Unsicherheit. Das Einzige, was sicher ist, wird ein neuer Verwaltungschef in der Stadtverwaltung im Herbst sein. Denn Stadtoberhaupt Michael Buhre hat bekanntlich erklärt, er werde nicht wieder kandidieren. Die SPD hat bereits mit Michael Jäcke aus der Mindener Nordstadt einen Kandidaten gekürt. Der Leiter der Telekommunikation bei einem heimischen Lebensmittelgiganten hat keine Erfahrung mit der Leitung einer großen Verwaltung, was bei einem Bürgermeisterkandidaten in Minden auch nichts Neues ist. Die Wirtschaft zeigt sich bei diesem Kandidaten zurückhaltend, hofft eigentlich nur auf Besserung der Situation in Minden (aus ihrer Sicht).

Spannend könnte die ganze Geschichte noch werden, wenn es CDU und ihrem neuen Gefolge aus dem Lager der Bündnisgrüne gelänge, einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten zu präsentieren. Vielleicht schließt sich sogar noch eine Kleinstfraktion diesem schwarz-grünen Bündnis an. Davon gibt es mit Die Liberale Fraktion (DLF), der Mindener Initiative (MI) und der Linken ja genug Stimmvolk. Immer noch wird spekuliert, dass das neue Freundschaftsbündnis aus auf Krawall gebürsteten Christdemokraten und frustrierten Grünen möglicherweise eine grüne Frau aus dem grau-grünen Ruhrpott an die blaue Weser locken und als Kandidatin um das Bürgermeisteramt in Minden aufstellen könnte. Aber auch das ist reine Spekulation.

Am Ende dieses Jahres werden wir vermutlich feststellen: es ist alles wie immer. Keine Leuchttürme, die hell leuchten, keine Profis in der Verwaltung, die wirklich etwas bewegen. Schade nur, dass wir dann möglicherweise auch nicht mehr den Slogan „Minden – seit 798 merk-würdig“ haben, denn der soll neu gestrickt werden. Dabei passt dieses „merk-würdig“ so wunderbar auf unsere Stadt – im positiven wie im negativen Sinne.

Autor: Hans-Jürgen Amtage

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1 Comment

  • Reply
    Bernd Waltemathe
    3. Januar 2015 at 19:56

    Zweifelsohne ein gelungener Ausblick auf das Jahr. Besonders bedauerlich wäre, wenn es tatsächlich kein neues Kino in Minden geben sollte. Erstaunlich finde ich auch, daß die Mindener Politik kein großes Engagement in dieser Sache zu zeigen scheint.

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