Amtage bloggt Was man in Minden so hört

Es war einmal in Minden – oder: Ausgeträumt!

Vor zehn Jahren sollte die Innenstadt aufblühen. Heute freuen wir uns in Minden bereits über einen größeren Woolworth-Laden. Luftbild: Edwin Dodd

Vor zehn Jahren sollte die Innenstadt aufblühen. Heute freuen wir uns in Minden bereits über einen größeren Woolworth-Laden. Luftbild: Edwin Dodd

Es gab Zeiten, da träumten wir in Minden von Geschäften, die Glanz ausstrahlen und unsere Stadt zu einem Einkaufsparadies machen würden. Das ist so ungefähr zehn Jahre her.

Damals gab es noch Pläne für ein attraktives Minden. Ein Einkaufszentrum sollte es sein. Mitten in der City. Domhof-Galerie der Name. Die potenziellen Investoren versprachen ein Highlight unter den Centern, viele Mindener – besonders in der Stadtverwaltung – waren glücklich. Andere so unglücklich über die Perspektive, dass sie alles daran setzten, den Traum vom Einkaufsparadies platzen zu lassen. Mit Erfolg.

Heute, wie geschrieben etwa zehn Jahre später, haben wir uns in Minden anscheinend von jeglichen Träumen, doch noch eine City mit interessantem Handel zu werden, verabschiedet. Gescheitert sind weitere Vorhaben wie die Wesertor-Galerie. Von der Obermarktpassage wollen wir gar nicht erst sprechen. Wohl aber von der Obermarktstraße, wo wieder ein wenig Leben pulsiert.

Woolworth zieht in die Mindener City

Inzwischen sind wir in Minden aber womöglich an einem Punkt angekommen, an dem wir uns über alles freuen, was auch nur ansatzweise nach neuem Handel in der Innenstadt aussieht. Selbst, wenn es gar kein neuer ist.

So ereilte die Mindener heute die Nachricht, dass Woolworth eine neue Filiale in der Innenstadt eröffnen werde. Im Gebäude, wo einmal Wehmeyer residierte und das immer noch unter „Kepa“ bekannt ist. Schon Anfang 2018 soll es soweit sein.

Da fragt sich der geneigte Beobachter: Neu? Ist das Unternehmen nicht schon am Eingang der Königstraße aktiv? Will es also eine weitere Filiale rund 300 Meter von der alten entfernt eröffnen? Oder wird es nur von der 2b-Lage in die 1a-Lage umziehen? Letzteres ist wohl zu vermuten.

Mit dem nötigen Zynismus könnte man sagen: Eine echte Bereicherung für das Herz der Innenstadt. Wenn es denn nicht das Geschäft mit dem großen „W“ wäre, das sozusagen den 1-Euro-Shop unter den Kaufhäusern bildet. Denn wie heißt es so schön in der Beschreibung des Unternehmens, das wohl immer noch zum Portfolio des KiK-Gründers Heinig gehört: „Mit seinem Angebot, das vor allem den Non-Food- und Drogeriebereich abdeckt, hauptsächlich Textilien, Haushaltsartikel, Schreibwaren, Spielwaren, Schuhe, Lederwaren sowie Süßwaren, möchte das Unternehmen vor allem preissensible Käufer ansprechen.“

Minden – die Drogerie-Hauptstadt

Damit kommen wir sozusagen beim Durchschreiten der Fußgängerzone vom Poos in Richtung Markt in Sachen Handelsqualitätsstufen von 100 (Hagemeyer) auf Null. Abgesehen davon, dass in Sachen Drogerie (was Woolworth ja auch ausweist) gleich gegenüber der Drogist Müller seine Pforten öffnet. Minden wird damit praktisch zur Drogerie-Hauptstadt, wenn sich bewahrheitet, dass Rossmann ebenfalls groß am Wesertor eröffnen wird.

Für mich unverständlich ist, dass solche Entwicklungen auch noch bejubelt werden. Man kann sich doch nicht damit zufrieden geben, wenn das Anspruchsdenken in einer Stadt so sinkt. Oder sind wir bereits so abgestumpft, dass uns all das nicht mehr interessiert, weil viele sowieso im Internet einkaufen?

Nachtrag vom 19. Juli 2017:
Laut Medienberichten will Woolworth die Filiale an der Königstraße auch nach Eröffnung der Filiale am Scharn geöffnet halten.

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