Amtage bloggt Was man in Minden so hört

Fünf Parteien stärken Bürgermeisterkandidat Ulrich Stadtmann (CDU)

CDU, Grüne, FDP, Piraten und Bürger-Bündnis Minden unterstützen den Bürgermeisterkandidaten Ulrich Stadtmann (CDU). Foto: Facebook

CDU, Grüne, FDP, Piraten und Bürger-Bündnis Minden (BBM) unterstützen den Bürgermeisterkandidaten Ulrich Stadtmann (CDU). Foto: Facebook

Es dürfte das erste Mal in der Geschichte der Stadt Minden sein, dass gleich fünf Parteien und Wählergemeinschaften einen Bürgermeisterkandidaten unterstützen. Seit gestern Abend steht fest, dass CDU, Bündnisgrüne, FDP, Bürger-Bündnis Minden (BBM) und Piraten hinter dem 53-jährigen Politologen und CDU-Ratsfraktionsvorsitzenden Ulrich Stadtmann stehen.

Die Ergebnisse in den einzelnen Nominierungsversammlungen können sich sehen lassen. Zwischen 90 und 100 Prozent lag in den vergangenen Tagen jeweils die Zustimmung. Selbst bei den Grünen, wo nach dem Ausscheiden des ursprünglichen Fünfer-Bündnis-Kandidaten Rolf Koerber nicht so ganz sicher schien, ob sie bei einem Kandidaten Stadtmann zur Stange halten, lag das Abstimmungsergebnis bei 90 Prozent. Dies mag auch ein bisschen mit der Stimmung bei den Mindener Grünen zusammenhängen: Alles, nur nicht die SPD unterstützen. Kaum anders kann man das gesamte politische Verhalten der Bündnisgrünen in den vergangenen Monaten interpretieren.

Der Christdemokrat Ulrich Stadtmann kann nicht ohne Stolz auf das Unterstützter-Ergebnis blicken. Denn man kann ihm nicht nachsagen, dass er sich als Ratsmitglied und später CDU-Fraktionsvorsitzender in den vergangenen elf Jahren seiner Ratstätigkeit bei den anderen Fraktionen eingeschmeichelt hat. Gerade auch die FDP hat dieses immer mal wieder zu spüren bekommen.

Dass dennoch die fünf Parteien/Fraktionen dieses Bündnisses zusammengefunden haben, belegt den außerordentlich großen Willen, die sozialdemokratische Dauerherrschaft (mit einer kurzen Unterbrechung) im Mindener Rathaus zu brechen. Für den SPD-Kandidaten Michael Jäcke dürfte der Wahlkampf bis zur Bürgermeisterwahl am 13. September (und wahrscheinlich wegen einer sich abzeichnenden Stichwahl darüber hinaus) spannend werden. Interessant dürfte noch sein, wie sich die Mindener Initiative (MI) und die Linke positionieren. Zumindest die MI dürfte wohl in Richtung Jäcke tendieren.

Michael Jäcke und Ulrich Stadtmann kennen sich als Ratsmitglieder lange genug, um sich beurteilen zu können. Auf der einen Seite der zurückhaltende Sozialdemokrat, auf der anderen Seite der angriffslustige Christdemokrat. Dabei muss festgehalten werden, dass beide Verhaltensweisen und die langjährige Erfahrung in der Ratspolitik aber auch gar nichts darüber aussagen, ob die Kandidaten tatsächlich für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters geeignet sind. Das gilt auch für die beiden noch zu berücksichtigenden Mitbewerber Jürgen Schnake und Matthias Beier.

Führungserfahrung in einer Verwaltung – besonders die der Größenordnung Mindens mit seinen rund 1000 Beschäftigten – fehlt allen. Wie so etwas enden kann, zeigt das kurze Gastspiel des hauptamtlichen Bürgermeisters Reinhard Korte, das mehr als unglücklich verlief.

Dabei zeigt ein Blick in die Nachbarschaft, wie man es auch anders machen könnte. In Porta Westfalica wurde mit dem parteilosen Bernd Hedtmann von außerhalb ein führungserfahrener Verwaltungsmann als hauptamtlicher Bürgermeister ins Rathaus geholt. Hört man sich um, wird dem Portaner Stadtoberhaupt viel Lob und sicheres, selbstbewusstes Handeln ganz im Sinne der Stadt zugesprochen.

Vielleicht gelingt es bei einer anderen Wahl in Minden, auch den Weg abseits von Parteibüchern und Ratsdienstjahren zu gehen und sich darauf zu konzentrieren, was eine Stadt wie Minden mit all ihren Problemen tatsächlich in der Spitze braucht: einen erfahrenen Steuermann oder eine erfahrene Steuerfrau.

Autor des Kommentars: © Hans-Jürgen Amtage

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1 Comment

  • Reply
    Matthias Beier UB-UWG
    28. Juni 2015 at 0:21

    Notiz-1 Ganz offenbar war dem damaligen Überraschungswahlsieger Rheinhard Korte (CDU) nicht präsent, dass Verwaltung und alles Drumherum mit Stolperfallen übersät ist. Einmal durch Partei-Leute, sowie wohl auch den Unmut dass er offenbar Hand in Hand mit dem Überraschungs-Landrat Krömer (CDU) einen für Minden extrem ungünstigen Standort fürs Großklinikum zuliess.
    Für mich wäre das aber anders. Zwar Überraschungs-Wahlsieger dann, aber wer will oder wollte riskieren, dass als ein wichtiger Meilensten die Westfalen-Arena Minden letztlich einen Planungsabbruch und eine Nicht-Realisierung erfährt?! Da wird man also zu mir schon deshalb ausreichend fair und freundlich sein.
    Notiz-2 Es ist auch sehr oft, dass ich Verwaltungsleuten sage, dass es (meist mit genauer Beschreibung was ich meine) vorangehen müsse. Fast immer treffe ich dabei auf Leute, die das auch verstehen. Wenn eine Chance zu sehen ist, dann muss man versuchen dahin zu kommen. Nun kann es doch wohl nicht sein, dass beim „Kaltstart-Kandidaten“ Ulrich Stadtmann (CDU) als Höhepunkt seiner Bewerbungsrede eine Fantasterei „Minden soll Großstadt werden; soll Porta Westfalica zur Erreichung der 100.000 Einwohner hinzuzunehmen..“ losliess. Wenn er einen verirrten Motivationstrainer beschäftigt hatte, so hätte er die Problematiken und das Aufreissen von tiefen Gräben doch selber bedenken müssen. Hat er aber nicht! Ein Greenhorn! Völlig aus der Spur! Völlig auf Abwegen!
    Notiz-3 Meine Einschätzung aus meinem letzten Kommentar (SIEHE RECHTS RUBRIK KOMMENTARE) ist nach den IHK-Rededuellen entstanden. Da hier ein gewisser Sven Brandhorst (Pirat) mir das vorwirft, sage ich es nochmal. Eine Westfalen-Arena Minden ist keine wirre Idee (also etwas anderes als Piraten und Herr Schnake geläufig ist), sondern ein zur Beschlussfassung auf Kreisebene anstehendes Projekt! Da in den Kreisgremien vielleicht nur 25 Prozent Mindener sind (rechnen Sie mich mal auch hinzu) ist es eine Katastrophe wie CDU-Mann Ulrich Stadtmann hier alle vor den Kopf stösst. Das ist wirklich eine nicht nur peinliche, sondern eine für Minden extrem schädliche Verirrung IHRES Fünfer-Kandidaten. Dessen Kandidatur müsste wohl oder übel – entweder jetzt sofort oder nach einigen weiteren nutzlosen Schwimmübungen – beendet sein.
    Grüße, Matthias Beier

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