Amtage bloggt Was man in Minden so hört

Lassen Russen Einzelhandelsbebauung am Scharn platzen?

Um die geplante Einzelhandelsbebauung im Bereich Scharn/Rathausinnenhof ist es still geworden. Grund könnte ein russischer Immobilieneinkauf in Minden sein. Foto: Edwin-Dodd.com

Um die geplante Einzelhandelsbebauung im Bereich Scharn/Rathausinnenhof ist es still geworden. Grund könnte ein russischer Immobilieneinkauf in Minden sein. Foto: Edwin-Dodd.com

Es ist still geworden um die geplante Einzelhandelsbebauung am Scharn. Was in den vergangenen Monaten mit viel Eifer (politisch) diskutiert wurde und letztlich die Entscheidung brachte, ein kleines Geschäftszentrum im Bereich Scharn/Rathausinnenhof zu errichten, scheint in der Versenkung verschwunden. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es da auch bleibt.

Das Problem ist nicht etwa, dass die Verhandlungen der Stadt mit einigen noch verbliebenen Teileigentümern des „neuen Rathauses“ nicht so laufen, wie vielleicht gehofft. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass zwei dieser Besitzer von Ladengeschäften im Rathausinnenhof ihre Handelsflächen nicht an die Stadt abgeben werden. Auch Fragen der Statik bei einer etwaigen Teilüberbauung der Tiefgarage stehen nicht im Vordergrund. Vielmehr scheint das Textilunternehmen C&A das Problem zu sein.

Denn mit dem hat der Investor in spe wohl fest gerechnet, um als eines von zwei großen Einzelhandelsstandbeinen das Projekt Scharnkaufhaus überhaupt realisieren zu können. Doch das würde bedeuten, C&A gibt seinen Standort in der Bäckerstraße auf und zieht an den Scharn. Was zunächst einfach gedacht war, zeigt sich in der Praxis offensichtlich viel schwierger. Grund sind Veränderungen in der Eigentümerschaft der C&A-Immobilie am Wesertor.

Russische Immobilien-Plattform auf Einkaufstour

Denn im Dezember des vergangenen Jahres tauchten plötzlich die Russen auf. Eine kurz zuvor gegründete internationale Private-Equity-Plattform für Immobilien namens Sistema Capital Partners (SCP), die angeblich größte in Russland, nahm 125 Millionen Euro in die Hand und erwarb in Deutschland ein Portfolio aus 21 Geschäftshäusern. Die Objekte befinden sich in den Haupteinkaufsstraßen mittelgroßer deutscher Städte. Und zu denen zählt Minden mit seiner C&A-Immobilie.

Nun werden die neuen russischen Eigentümer von der Idee, die gerade in der Weserstadt erworbene Immobilie zukünftig leer stehend zu sehen, nicht ganz so begeistert sein. Wahrscheinlich also, dass ein Umzug des Textilers von der einen Ecke der Fußgängerzone in die Mitte der Innenstadt eher nicht infrage kommt.

Das wiederum dürfte den Investor des Scharn-Projektes in Schwierigkeiten bringen, vorausgesetzt, er findet nichts Adäquates. Bleibt die Frage zu beantworten: Würden ein größerer Händler und der Blumenhändler Risse ausreichen, um das Scharn-Einzelhandelszentrum auf finanziell sichere Beine stellen zu können. Die Antwort dürfte „Nein“ lauten. Hinzu kommt noch die wenig schöne Aussicht, dass der Denkmalschutz gerne einen Teil des Stadthauses aus den 1950er-Jahren, das sich nördlich an das historische Rathaus anschließt, erhalten möchte. Das bringt zusätzliche Einschränkungen.

Diese Gemengelage scheint also eher darauf hinzudeuten, dass das Projekt Scharnbebauung unter keinem guten Stern steht.

Lichtblick am Wesertor

Da ist es geradezu ein Lichtblick, dass sich mit der fallenden Fassade an der ehemaligen Karstadt/Hertie-Immobilie in der Bäckerstraße die Hinweise verdichten, dass der (jugendliche) Textiler H&M dort mit einem großen Angebot einziehen wird. Auch der Großdrogist Müller kursiert immer noch als potenzieller Mieter am Wesertor.

Doch bei einem Umzug von H&M taucht natürlich sofort die Frage auf: Was passiert mit dem alten H&M-Standort nahe dem Poos?

Gute Frage. Zwar könnte die Wiederbelebung der alten Hertie-Immobilie insgesamt neues Leben in die Mindener Innenstadt bringen, wie die geplante Ansiedlung eines besonders bei jungen Leuten begehrten Sneaker-Shops oder der bereits erfolgte Einzug des Schmuckanbieters Pandora zeigen. Doch das aktuelle H&M-Objekt gilt nicht unbedingt als begehrenswert. Da hilft auch nicht das kursierende Gerücht, dass Lebensmittler REWE hier einziehen wolle, was von vielen Insidern als wenig wahrscheinlich angesehen wird.

So darf man mit Spannung abwarten, wie es in der Mindener Innenstadt weitergeht. Auch, was das ehemalige Haus Wehmeyer am Scharn angeht, wo seit mehr als fünf Jahren im Auftrag des Eigentümers bereits interessante Planungen bei einem Mindener Architekten in der Schublade liegen.

Text: © Hans-Jürgen Amtage

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