Amtage bloggt Was man in Minden so hört

Es klappern die Investoren um den „Müller“

Es klappern die Investoren um den Drogisten "Müller" - auch bei Ex-Hertie an der Bäckerstraße.  Foto: Hans-Jürgen Amtage

Es klappern die Investoren um den Drogisten „Müller“ – auch bei Ex-Hertie an der Bäckerstraße. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Nun ist die Katze also aus dem Sack, die ohnehin schon seit Wochen mit dem Kopf hervor lugte. Der Düsseldorfer Investor ITG, vor rund drei Jahrzehnten Schöpfer der Obermarktpassage in Minden, soll und will möglichst am Scharn eine Art Mini-Einkaufszentrum errichten. Betroffen ist der Bereich zwischen altem Rathaus und Blumengeschäft, der zurzeit vor allem durch den Ratskeller-Leerstand und einen 1-Euro-Shop geprägt ist.

Ein Textiler soll her, dessen Angebot in Minden noch nicht vorhanden ist und ein weiteres Einzelhandelsunternehmen. Wie die beliebten Spatzen auf dem Dach pfeifen, könnte es sich dabei um das Drogerie-Kaufhaus Müller handeln, das ein breit gefächertes Angebot von Seife bis CDs vorhält und in anderen Städten als recht beliebt gilt. Damit würde zumindest teilweise ein Warenangebot in die Weserstadt einziehen, das seit einigen Jahren als “ausgestorben” gilt.

Doch bevor die Euphorie allzu groß wird, sollte man sich einmal ein wenig umschauen. “Müller”? Da war doch was? Ach, ja. Der gleiche Name fällt ein paar Straßen weiter. Luftlinie rund 250 Meter – am Wesertor. Dort sind bekanntlich der Dinslakener Bauunternehmer Hellmich und der Duisburger Projektentwickler Fokus Development AG aktiv, um das ehemalige Hertie-Kaufhaus zu neuem Leben zu erwecken. Und, nun raten wir mal, wer soll dort unter anderem einziehen (zumindest laut der Spatzen auf dem Dach)? Richtig! Das Drogerie-Kaufhaus Müller.

Vermutlich werden die sich nicht zweimal in Minden ansiedeln wollen. Also darf man gespannt sein, wer das Rennen macht. Hauptsache ist, dass in diesem Fall 1+1 nicht gleich Null ergibt. Das wäre dann ein weiterer Super-Gau für unsere schöne kleine Stadt. Beobachten ist also angesagt.

Aufmerksam beobachten muss man aber auch die gesamte Entwicklung am Scharn mit dem Rathausinnenhof. Was bislang so an ersten Skizzen kursiert, dürfte zumindest die sogenannten Teileigentümer des Rathauses, die ihre Geschäftsflächen im Rathausinnenhof haben, nicht glücklich machen. Gibt es mit der Rathauspassage zurzeit wenigstens vom Scharn her eine Art Eingangsschlitz zum Innenhof, dürfte der mit den gegenwärtigen Vorstellungen verriegelt werden. Damit würde sich der Rathausinnenhof nun endgültig zum Rathaushinterhof entwickeln. Kein gutes Omen für die dortigen Teileigentümer, die ohnehin seit Jahren gebeutelt sind.

Angesichts einer solchen Entwicklung macht nachdenklich, was angeblich vor Kurzem im Rathaus gesagt worden sein soll: Wenn sich das alles so entwickele wie zurzeit überlegt, dann würden die Quadratmeterpreise bei den Geschäftsflächen im Rathausinnenhof noch weiter fallen und dann könne die Stadt diese Flächen ja günstig kaufen. Tiefer könnte man in Minden kaum sinken, wenn das tatsächlich so oder ähnlich erklärt worden wäre.

Wo sich eine Menge Verlierer abzeichnen, gibt es aber auch zumindest einen Gewinner. Das dürfte im Fall “Mini-Einkaufscenter Scharn” ein Geschäftsmann sein, der sich seit Jahren auch als großer Minden-Wohltäter ausgibt. Er kaufte kurzfristig eine Immobilie genau in dem Bereich, der jetzt unter Einzelhandelsaspekten mit dem Segen von Politik und Verwaltung neu entwickelt werden soll. Dass dieser Geschäftsmann die Spatzen vom Dach schon lange vorher hat kräftig singen hören, wollen wir mal dahin gestellt lassen. Man kann nur sagen: Chapeau! Gut eingefädelt.

Autor: Hans-Jürgen Amtage

Related Posts

1 Comment

  • Reply
    Philipp Hausdörffer
    28. Oktober 2014 at 20:12

    Sehr gut recherchiert und auch sehr gut geschrieben!
    Danke HJ!

    …. und das alles mit der schon aus anderen ähnlichen Prozessen mit “Beteiligung der Öffentlichkeit” Der Mindener Bürger wird wieder einmal vorgeführt! Vor einiger Zeit wurde ja einmal ein Grundstück nördlich der Bäckerstraße “ganz schnell” von der Stadt gekauft (Vorkaufsrecht!) weil man bei ECE gehört hatte, dass ein Mindener Visionär am Deichhof etwas geplant hat, das ECE nicht in den Plan passte. Am Rathaus wird ein Grundstück in einem laufenden Verfahren “mal so eben” zwischen den (noch) Eigentümern verschoben und niemand reagierte?!

  • Leave a Reply

    Bitte lösen Sie die Captcha-Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.