Amtage bloggt

Morgens um sieben: Post für den Bürgermeisterkandidaten Jürgen Schnake – die Nervensäge

Lieber Jürgen Schnake,

nur mal so nebenbei, weil auch ich immer wieder im Zusammenhang mit Ihrer Kandidatur darauf angesprochen werde: Was machen Sie eigentlich im richtigen Leben?

Ok, in Ihrem Lebenslauf steht PR-Berater. Und ich muss zugeben, dass Sie bei Ihrer Selbstvermarktung besonders in den Sozialen Netzwerken nicht ungeschickt agieren. Dennoch gab es besonders in den etwa drei zurückliegenden Jahren immer wieder Momente, in denen ich mich fragte: Ist der Schnake noch ganz dicht?

Nehmen Sie das nicht allzu persönlich. Aber Taktik – unter dem Aspekt, da will einer Bürgermeister werden – sah für mich bislang immer etwas anders aus. Durchaus neigten sie oftmals dazu, bei der Gratwanderung zwischen Originalität und Beleidigung nah am Abgrund zu wandeln und in die Schlucht namens Beleidigung zu stürzen. Das mag ja ein PR-Gag sein. Doch wenn es dann auch noch nahezu penetrant durchgeführt wird, möchte ich dieses Verhalten einfach nur als nervend bezeichnen. Darum habe ich für Sie auch den Namenszusatz „die Nervensäge“ gewählt.

Denn ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob Sie mit ihren 45 Jahren tatsächlich reif genug sind, eine nicht einfache Einrichtung wie die Mindener Stadtverwaltung zu führen und auch noch ganz nebenbei mit dem Rest der Stadt vernünftig umzugehen.

Der parteilose Mindener Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake setzt bei seiner Wahlwerbung auf die Unterstützer, die seine Plakate ausdrucken und öffentlich präsentieren. Foto: Google+/Jürgen Schnake

Der parteilose Mindener Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake setzt bei seiner Wahlwerbung vor allem auf  Unterstützer, die seine Plakate ausdrucken und öffentlich präsentieren. Foto: Google+/Jürgen Schnake

Nachdem Sie mir mal im Zusammenhang mit – wenn ich mich recht erinnere – buddhistischen Tendenzen, dann mehr oder minder „schriftstellerisch“ begegnet sind und ich mich dabei immer wieder fragte „Warum ist dieser Mann so?“, habe ich zunächst vermutet, dass Sie Ihre Ankündigung, Sie wollten als „Bürgermeister mit Rückgaberecht“ kandidieren, eher als Scherz betrachteten. Als Sie dann aber tatsächlich sich ernsthaft um die Kandidatur kümmerten, dabei aber nicht annähernd um Seriosität bemühten, begann ich wieder an den alltäglichen Wahnsinn zu glauben. Als Sie sich dann beispielsweise auch noch öffentlich in Sozialen Netzwerken Gedanken über Hautveränderungen im Nacken eines Kommunalpolitikers machten, war ich fast der Überzeugung: Jetzt ist der Schnake durchgeknallt!

Ich muss aber auch zugeben, dass Sie Ihre Taktik in den vergangenen Monaten zweifelsohne ein wenig verändert haben. Jürgen Schnake, der Menschenversteher, passte zwar so gar nicht in das bisher von Ihnen selbst geschaffene Bild, doch ich zolle Ihnen Anerkennung, dass Sie durchaus interessante kommunalpolitische Ansätze in Ihrem Wahlkampf zeigen. Dabei gefällt mir Ihr Querdenken – wenn auch nicht in allen, so doch in einigen Bereichen. Beispiel: Wie wollen Sie Minden für alte Menschen lebenswert erhalten? Ihre Antwort war, glaube ich, sinngemäß: Indem ich Minden für junge Menschen so liebenswert mache, dass sie hier bleiben und sich um die alten Menschen kümmern können. Chapeau für diese (Quer-)Denke.

Zweifelsohne gewagt und originell finde ich auch Ihren Wahlkampf, der fast ausschließlich in den Sozialen Netzwerken stattfindet – neben dem Straßenwahlkampf natürlich und den öffentlichen Auftritten bei Veranstaltungen im Bewerberquartett. Dass Sie als parteiloser Kandidat zudem noch zahlreiche Unterstützer finden, die Ihre Wahlplakate ausdrucken und freiwillig spazierenfahren, zeigt zudem, dass der Wunsch nicht gerade weniger Mindener nach einer (partei-)politischen Veränderung im Rathaus groß ist.

Dennoch glaube ich, dass man schon der Hardcore-Politik zugeneigt sein muss, wenn Sie als hauptamtlicher Bürgermeister tätig würden. Wer das möchte und braucht, der sollte hinter Ihrem Namen das Kreuzchen machen – hinter dem auf dem Wahlzettel am Sonntag, 13.September, aber garantiert nicht „die Nervensäge“ stehen wird.

Weiterhin viel Erfolg beim Wahlkämpfen wünscht Ihnen

Ihr
Hans-Jürgen Amtage

Jürgen Schnake im Internet: juergen-schnake.de

Related Posts

1 Comment

  • Reply
    Luis
    1. September 2015 at 15:15

    Herr Schnake ist einer der Kandidaten mit den Handfesten Argumenten und Plänen. Aber auch ich frage mich, ob eine Bürgermeisterwahl in den Sozialen Netzwerken gewonnen wird, oder ob es nicht doch eher nach Parteifarbe geht.

    Wer bestimmt in Minden den Bürgermeister? Die verbliebene bürgerliche Schicht ältern Baujahrs oder doch die jüngere Smartphonegeneration? Vielleicht kann ein Frischer Bürgermeister mit den Stimmen bisheriger Nichtwähler gewählt werden?

    Fragen über Fragen…

  • Leave a Reply

    Bitte lösen Sie die Captcha-Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.