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Morgens um sieben: Post für den Bürgermeisterkandidaten Michael Jäcke – den Versteckten

Lieber Michael Jäcke,

ein wenig verwundert war ich ja schon, als die SPD Sie als ihren Bürgermeisterkandidaten präsentierte. Zwar hatten Sie es bereits auf den Stuhl des Stadtverbandsvorsitzenden geschafft, doch so wirklich aufgefallen als der Reißer und Macher waren Sie mir bislang nicht.

Aufgefallen sind Sie, weil Sie im Rat gar nicht auffielen. Viele Ratssitzungen hinter Ihrem vor Ihnen auf dem Tisch stehenden Laptop verborgen, spielten Sie eher den Versteckten, ließen Ihre Mitstreiter in der Fraktion machen. Eine gute Taktik, so fällt man wenigstens nicht unangenehm auf. Das hat sich auch nicht geändert, seitdem Sie als sozialdemokratischer Kandidat für das Bürgermeisteramt fungieren.

Interessante Kombinationen ließen sich in den vergangenen Wochen bei den Wahlplakaten von Michael Jäcke festmachen. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Interessante Kombinationen ließen sich in den vergangenen Wochen bei den Wahlplakaten von Michael Jäcke festmachen. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Allerdings muss ich feststellen, dass Sie es zweifelsohne in der SPD nicht einfach haben. Nach Ihrer Kandidatenkür von verschiedenen Sozialdemokraten hören zu müssen, es habe kein anderer Bürgermeisterkandidat werden wollen (ich betone ausdrücklich, dass ich nicht nachgeprüft habe, ob das wirklich so war) und nach der Überraschungskandidatur Ihres Mitbewerbers Ulrich Stadtmann von anderen SPD-Mannen gesagt zu bekommen, „jetzt müssen wir ja doch den Jäcke wählen“, finde ich deprimierend. Aber, Depressionsanfälle beiseite, Politik war schon immer – sagen wir mal – seltsam. Und gerade in der Politik gilt: Wer solche Freunde hat, braucht definitiv keine Feinde!

Doch zurück zu Ihrem Engagement. Man liest in den einschlägigen Werbebroschüren zur Bürgermeisterwahl überall, wie engagiert Sie seien. Sport, Bildung etc. Das ist wohl auch so. Wobei man sich anscheinend nicht sicher sein kann, ob Sie Fisch oder Fleisch sind, wenn es zum Schwur kommt.

Aber das wird ja alles anders, wenn ich Ihren Wahlkampf betrachte. Min und Din steht da im Vordergrund: Mein und Dein – wobei das wohl nicht so verstanden werden soll: Mein Minden – Du machst das schon. Diese Vermutung kam bei mir auf, als ich vor einiger Zeit Ihren Wahlwerbebeitrag für ein vernetztes Minden sah, in dem Sie suggerierten, dass Sie beispielsweise für Minden ein freies Wlan erreichen wollten und dabei auf einem Foto mit Ihrem Laptop (siehe oben) mitten in der Fußgängerzone saßen. Das fand ich nun nicht ganz so glücklich, weil es da in weiten Teilen der Innenstadt schon einen freien Internetzugang gab und die Politik als solches nun überhaupt gar nichts dazu beigetragen hatte. Sondern, wie so häufig in Minden, wenn etwas vorangebracht wird, die freie Wirtschaft mit ihrem Engagement für die Weserstadt.

Trotz dieses kleinen Missgeschicks sind Sie zurzeit zweifelsohne dabei, Sympathiepunkte zu sammeln. Immerhin haben Sie unter den kleinen politischen Organisationen, die in der Weserstadt tätig sind, inzwischen auch einen Unterstützer gefunden – die Mindener Intiative, die ihre Klientel aufruft, Sie zu wählen. Offensichtlich, weil Sie die Initiative mit Ihrer ruhigen Art überzeugt haben, dass Sie der Richtige für das Amt des Bürgermeisters sind. Möglicherweise eine wichtige Entwicklung, die den notwendigen Mehrheitsschub bei der Wahl bringen könnte, wenn ich die Ergebnisse der bisherigen Bürgermeisterwahlen so betrachte.

Allerdings glaube ich, dass Sie – gerade auch als Sportler – noch ein wenig mehr Mumm entwickeln müssten. Man muss auch für unangenehme Dinge gerade stehen, besonders, wenn man hauptamtlicher Bürgermeister werden möchte. Da gilt es nicht, einfach abzutauchen oder zu verstecken, wenn Entscheidungen gefällt werden müssen. Und Sie müssen noch ein bisschen am Netzwerken arbeiten. Denn das ist ja doch in der Vergangenheit manchmal ein wenig schief gegangen, beispielsweise als Sie stellvertretender Vorsitzender im Hauptausschuss werden wollten. Doch das ist Geschichte.

Denn bekanntlich wächst der Mensch mit seinen Aufgaben. Und wenn dann noch ein paar Kunstwerke in der Stadt stehen, was Ihnen sehr wichtig zu sein scheint wie ich überall lese und höre, dann wirkt die kleine Welt namens Minden doch gleich viel bunter und besser.

Auch für Sie gilt, wie für Ihren Mitbewerber Ulrich Stadtmann – und natürlich alle anderen auch: Möge der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnen! Das klingt sicherlich ein wenig despektierlich, weil es in unserer Demokratie ohnehin so ist. Aber so ist es auch gemeint, wenn ich auf die vier Bewerber um das Bürgermeisteramt in Minden blicke.

Ich wünsche Ihnen für die restlichen Wahlkampftage alles Gute.

Ihr
Hans-Jürgen Amtage

Michael Jäcke im Internet: michael-jaecke.de

 

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