Amtage bloggt Was man in Minden so hört

Scharnbebauung: Alle Zeichen stehen auf klein

Nur das geplante neue Geschäftshaus am Scharn liegt in der A-Lage der Mindener Innenstadt. Grafik: Stadt Minden

Nur das geplante neue Geschäftshaus am Scharn (Bildmitte) liegt in der A-Lage der Mindener Innenstadt. Die Hertie-Brache (r. o.) und die Obermarktpassage (l. u.) sind nur C-Lage. Grafik: Stadt Minden

Viele Bürger werden Ende der kommenden Woche nicht wirklich überrascht sein, wenn die Mindener Politik wenige Tage zuvor zumindest mit der satten Mehrheit von SPD und CDU für eine kleine Geschäftshauslösung am Scharn gestimmt hat. Denn zu unseriös scheinen die Vorstellungen des makelnden Mindeners Philipp Hausdörffer und seines Kölner Mitstreiters, wenn es um ein mittelgroßes Einkaufscenter nördlich des historischen Rathauses geht. Da hat ein Ex-ECE-Mann namens Maßmann eher einen Stein im Entscheidungsbrett der Politik.

Nicht vergessen darf man dabei auch, dass außerdem andere gewiefte Protagonisten mit im Spiel sind. Dazu gehört der ehemalige Vorsitzende der Mindener Werbegemeinschaft, Wolfgang Hüsing, der genau im richtigen Moment an der Scharnpassage ein Eckhaus erworben hat, mit dem er bei allen Planungen wuchern kann. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, wenn man unterstellt, dass Hüsing auch umfangreiches Insiderwissen hat, um taktisch klug agieren zu können.

Also läuft wohl alles auf das Geschäftshaus mit zwei größeren Einzelhandelseinheiten hinaus – und einem Blumenladen (zu dem ich später kommen werde). Nicht neu ist die Information, die seit Monaten kolportiert wird, dass C&A ein Auge auf den Scharn geworfen hat. Hintergrund: Die Fläche an der Bäckerstraße neben der Hertie-Brache ist dem Textiler seit vielen Jahren viel zu groß. Hinzu kommt, dass sich ein großes Bekleidungsangebot, wie es in anderen Städten von C&A vorgehalten wird, in Minden aus Kauftkraftgründen nicht lohnt. Dass auch H&M gerne an den Scharn möchte, wie immer wieder verlautet, scheint weniger realistisch. Eher könnte es auf eine Lösung aus dem bekannten Textiler und dem Drogeriekaufhaus Müller schräg gegenüber der Galerie Hagemeyer hinauslaufen.

Auch wenn die Politik aktuell richtigen Weihnachtsstress veranstaltet, um das Geschäftshausprojekt vom Tisch beziehungsweise in den Scharn zu bekommen, bedeutet dieses noch lange nicht, dass das neue Einzelhandelsobjekt schon in zwei Jahren steht. Denn zuviel Porzellan ist in den vergangenen Jahren bei dem ganzen Hickhack um die Scharnbebauung und die Zukunft des „neuen“ Rathauses zerschlagen worden. Besonders sauer über die sich abzeichnende Entwicklung dürften die sogenannten Teileigentümer sein, die Ende der 1970er-Jahre willkommene Geldgeber für die Stadtverwaltung waren als es um den Erwerb der Einzelhandelsflächen im sogenannten neuen Rathaus ging.

Doch kaum hatten die meist Mindener Geschäftsleute ihr Geld gegeben, begann das Drama. Der Deilmann-Bau, wie das Stadthaus zwischen Kleinem Domhof und der Straße Am Rathaus landläufig bezeichnet wird, war schon marode als er noch nicht ganz stand. Die Schaufensterläden rosteten den Geschäftsleuten ebenso schnell weg, wie die Bewehrung unter dem Po der Selbigen. Denn auch die Rathaustiefgarage ist mehr gemauerter Schutt als eine feste (Pkw-)Burg. Hinzu kommt, dass es wohl nie eine anerkannte Bauabnahme für den Deilmann-Bau gegeben hat – und so hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten das Theater um Zuständigkeiten zwischen Stadt auf der einen und Teileigentümern auf der anderen Seite munter hoch geschaukelt.

Nicht vergessen werden darf auch, dass sich ein Teil der Teileigentümer besonders in den vergangenen Monaten noch zusätzlich verschaukelt fühlt, seitdem die Stadt die Geschäftsflächen erwerben will. Ich muss dabei einräumen, dass die Rathausgeschäftsleute sicherlich nicht die einfachste Klientel unter der Mindener Sonne sind. Aber die Herrschaften haben eben nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte, wenn es um ihr Eigentum im Erd- und Untergeschoss des „neuen“ Rathauses geht.

So hatten sich einige Teileigentümer überlegt, dass sie gerne ihre Geschäftsflächen im Deal mit der Stadt für kleinere Einzelhandelseinheiten im neuen Geschäftshaus am Scharn tauschen würden. Die Antwort seitens der Verwaltung hat wohl ungefähr so gelautet: Es gibt keine kleinen Geschäftseinheiten am Scharn!

Und nun kommt der Blumenladen ins Spiel. Denn irgendwann bekamen die Teileigentümer auch Entwürfe für das neue Handelszentrum in der 1A-Lage der Mindener Innenstadt zu sehen. Und da – Überraschung – taucht doch tatsächlich ganz in der Nähe des historischen Rathauses ein kleiner Laden mitten im großen Ganzen des neuen Geschäftshauses auf.

Wen wundert es, dass die Teileigentümer zumindest in Teilen da ziemlich verwundert waren, wo es doch gar keine kleinen Läden im neuen Handelshaus am Scharn gibt. Nun, ja, man könnte sagen, da kommt wieder der Taktiker Wolfgang Hüsing indirekt ins Spiel. Denn der hat in seinem Neuerwerb an der Scharnpassage auch einen Blumenhändler namens Risse am Hals – und die haben wohl die Reißleine gezogen. Ganz nach dem Motto: Wenn wir bei diesen ganzen Neubauüberlegungen mitspielen sollen, dann wollen wir auch einen vernünftigen Laden am Scharn behalten. Und so tauchte dann wohl diese kleine Geschäftsfläche in den Plänen auf.

Kein guter Ausgangspunkt für konstruktive Gespräche zwischen einigen Teileigentümern und der Stadt, wenn die ganze Konstruktion in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin kräftig gewackelt hat. Und so wäre es nicht verwunderlich, dass die verärgerten Geschäftseigentümer vom Rathausinnenhof, der bei der kleinen Geschäftshauslösung völlig abgebunden würde, auf die Barrikaden gehen. Das hat weniger mit Klettern auf die Barrikaden zu tun als mit dem Gang zu Gericht. Klagen gegen das von der politischen Mehrheit gewünschte Projekt sind nicht auszuschließen. Und auch Geschäftsleute aus der Nachbarschaft haben schon vor geraumer Zeit angekündigt, sie würden, wenn es nicht zu einer Centerlösung am Scharn kommt, vor Gericht ziehen.

Da darf man also gespannt sein, wann in Minden welches Geschäftshaus irgendwann mal fertiggestellt sein wird. Denn auch in der ehemaligen Hertie-Brache an der Bäckerstraße geht es ja nun zumindest im Moment nicht wirklich weiter. Und selbst wenn dann ein Dinslakener Unternehmer namens Walter Hellmich (den übrigens Philipp Hausdörffer mit nach Minden geholt hat) sein Wunschprojekt am Wesertor fertiggestellt haben sollte und am Scharn vielleicht ein Drogeriekaufhaus Müller und ein C&A residieren – was würde dann aus einer etwaigen C&A-Brache an der Bäckerstraße? Fragen über Fragen, auf die nicht nur ich ganz gespannt bin, wie sie beantwortet werden.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Amtage

Related Posts

1 Comment

  • Reply
    Heike Vogt
    16. Dezember 2015 at 13:36

    Ist inzwischen auch das tot geglaubte Minden lebendiges »Sumpfgebiet«? 😉

  • Leave a Reply

    Bitte lösen Sie die Captcha-Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.