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Minden braucht eine Multifunktionshalle

Ich bin überzeugt: Minden braucht eine Multifunktionshalle. Sonst ist die Stadt mittelfristig auch in dieser Hinsicht völlig abgehängt. Grafik: Stadt Minden/Amtage bloggt

Ich bin überzeugt: Minden braucht eine Multifunktionshalle. Sonst ist die Stadt mittelfristig auch in dieser Hinsicht völlig abgehängt. Grafik: Stadt Minden/Amtage bloggt

Gegen etwas zu sein, ist ja gegenwärtig sehr populär. Also bin ich mal unpopulär und bin für etwas: Minden braucht eine Multifunktionshalle! Auf dem Rechten Weserufer. Und zwar verhältnismäßig zügig. Ja, und die Stadt soll dafür auch zahlen. Denn eine solche Halle ist ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur einer Kommune wie Minden, einer Mittelstadt mit Großstadtfunktionen.

Ich höre schon die Gegner einer solchen Position im Rat und jene Möchtegern-Bürgermeisterkandidat*innen, die bereits Petitionen initiieren, um eine solche Veranstaltungshalle auf jeden Fall zu verhindern. Unverantwortlich sei es, dass die Stadt für solch ein Projekt Geld (aus den freiwilligen Leistungen) ausgibt, wird da getönt. Schon macht auch die Überlegung von einem Rats- oder gar Bürgerentscheid die Runde, damit das Volk entscheide.

Politik in Minden drückt sich bei Multifunktionshalle vor der Verantwortung

Für mich bedeuten solche Aktionen schlichtweg, dass sich die eigentlich politisch Verantwortlichen – zumindest in Teilen – vor ihrer Verantwortung drücken. Sie haben zwar das politische Mandat von den Bürger*innen bekommen, aber für mehr als zur Abstimmung über eine Kanalbaumaßnahme (und auch das erst nach eingehender Prüfung und Diskussion) scheint die Verantwortung nicht zu reichen. Also müssen die Bürger*innen wieder herhalten und wenn es brenzlig wird, die Kohlen aus dem Feuer holen. Selbstverständlich wird eine Mehrheit bei einem solchen Entscheid gegen eine solche Multihalle stimmen. Und ein halbes Jahr später wird diese Mehrheit wieder jammern, dass es keinen vernünftigen Veranstaltungsort gibt.

Und, um noch einmal auf die freiwilligen Leistungen zurück zu kommen: werden die eigentlich an anderer Stelle hinterfragt? Wieviel tausende Euro werden jährlich von der Stadt für Friedens-, Freiheit-, Kunst-, Kultur- und Schnickschnack-Organisationen ausgegeben, ohne dass diese Summen hinterfragt werden. Selbst wenn diese Gruppen nicht einmal zwei Handvoll Menschen erreichen.

Dabei betone ich ausdrücklich, all das ist wichtig und soll auch weiter am Leben erhalten werden, selbst wenn manch eine Einrichtung nur vor sich hin vegetiert. Aber dann, bitte schön, sollte man auch mal groß denken – ohne dabei größenwahnsinnig zu werden. Und manchmal kostet groß denken und handeln auch Geld (viel Geld).

Also, wie gesagt: Minden braucht eine Multifunktionshalle. Nicht nur für den Bundesligisten mit dem grünen Blut, auf den sich meines Erachtens viel zu sehr fokussiert wird, auch wenn er für das Projekt von Bedeutung ist. Minden braucht aber auch abseits von Sportveranstaltungen eine solche Veranstaltungsarena – für Tagungen, Konzerte mit einem Publikum mittlerer Größenordnung, für Events wie Abifeiern, Damen- oder Herrenabende und so weiter. Und Minden braucht die Halle, um den zukünftigen Entwicklungsstandort Güterbahnhof optimal angehen zu können.

Bürgermeister Michael Jäcke sieht Minden in der Vorleistung

Denn, wie sagte Bürgermeister Michael Jäcke vor kurzem sinngemäß so schön: Die Stadt wird wahrscheinlich mit einem eigenen Projekt den Startschuss auf dem Rechten Weserufer geben müssen, selbst wenn die Multihalle nicht kommt. Erst dann würde die freie Wirtschaft folgen.

Da wir ja nun das neue Rathaus für mindestens rund 36 Millionen Euro sanieren (eine Folge des Bürgerentscheids von 2007) und hinterher immer noch ein Stadthaus haben, das suboptimal ist, entfällt schon mal ein Stadthausneubau auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände. Also müsste irgendetwas anderes Kommunales her. Was, steht in den Sternen, weil es im Rathaus keinen Plan B gibt.

Warum also nicht die Multihalle? Klar, es müsste noch hart verhandelt werden, auch hinsichtlich von Geldgebern. Wenn ein großes Hightech-Unternehmen aus Espelkamp gerne seinen Namen „???-Arena“ an der Halle sehen möchte, dann soll das Unternehmen auch kräftig in die Tasche greifen. Ja, und auch der Kreis soll einen vernünftigen finanziellen Beitrag leisten, denn er würde mindestens genauso von der Multihalle partizipieren wie die Stadt Minden.

Apropos Kreis: zurzeit wird ja kräftig Remmidemmi in Minden gemacht, dass der Landrat nicht mit den tatsächlichen Betriebs- und Sanierungskosten für die Kampa-Halle rausrückt. Ehrlich gesagt, ist das eigentlich völlig egal, was die in die Jahre gekommene Sporthalle kostet. Jeder Cent, der in eine Ertüchtigung der Kampa-Halle investiert wird, ist eine Fehlinvestition. Denn die notwendigen Millionen werden aus dieser Halle an der Hahler Straße keine auch nur ansatzweise vernünftige Arena machen. Sie wird eine alte und nicht zweckmäßige Sporthalle bleiben. Quasi ein ebensolches Millionengrab, wie es bei der Multihalle auf dem Rechten Weserufer beschworen wird. Punkt und Aus.

Wahl zwischen Pest und Cholera

Reden wir also mal über die Wahl zwischen Pest (Multihalle) und Cholera (Kampa-Halle). Mein Votum geht eindeutig in Richtung Pest, mit all ihren Auswirkungen, die aber, geschickt angegangen, beherrscht werden können (auch wenn es immer etwas kosten wird). Beispiel: abseits von Folgekosten führen die Gegner der Multihalle gerne nicht ausreichende Parkflächen an. Man möge mir einen größeren Veranstaltungsort nennen, wo ich quasi mit dem Auto gleich in die Sitzränge fahren kann.

Wir haben die Kanzlers Weide mit einigen tausend Stellplätzen, die gerade mal maximal zehn Gehminuten von der angedachten Multifunktionshalle auf dem ehemaligen Güterbahnhof entfernt läge. Ein veranstaltungsorientiertes ÖPNV-System könnte außerdem installiert werden. Und, ja, natürlich kostet auch das Geld. Aber, wie heißt es so schön: Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben.

Und weiterhin leben soll Minden doch nun wirklich. Da dürften wir uns ausnahmsweise mal alle einig sein. Also, liebe Politiker*innen, zeigen Sie mal Mumm, beauftragen Sie die Verwaltung, das Projekt anzugehen, die notwendigen (finanziellen) Fragen mit der Aufsichtsbehörde zu klären. Gehen Sie selbst in die Offensive und akquirieren Sie Geldmittel, statt die Verantwortung für alles Nicht-Einfache abzugeben und sich hinter dem Volk zu verstecken. Dafür habe ich Sie gewählt und Ihnen Verantwortung übergeben.

Und geben Sie Ihrer Stadt eine Chance, einen außergewöhnlichen Standort zu entwickeln, mit dem Minden Zeichen setzen könnte. Auch wenn das Risiko nicht klein ist.

Denn wie sagt meine beste Ehefrau von allen immer so schön: Hätte es nicht Leute mit Weitblick und Mut zum Risiko gegeben, säßen wir heute noch in der Höhle. Und ich würde Säbelzahntiger jagen gehen (was auch nicht risikolos ist).

#multihalle #multifunktionshalle #minden #rechtesweserufer #kultur #gwd

© Hans-Jürgen Amtage | Text kann bei Namensnennung geteilt werden

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2 Comments

  • Reply
    Matthias Beier UB-UWG
    1. Juni 2018 at 1:38

    Hallo Herr Amtage,
    ich habe seit über zwei Jahren immer die Erfordernis von Zusatzhallen genannt. Eine Multihalle steht sich selbst im Wege. Die Multihalle würde als teures Spezialbauwerk mit zu wenig Einnahmen bringenden Terminen voll belegt sein. Nun raten Sie mal, wer dies alles ignorierte? Warum wurde denn in steter Fixierung immer nur das ungünstige Bau-Modell „Multihalle“ über drei teure Gutachten hingeschleppt? Auf die Ratsleute brauchen Sie nur am allerwenigsten einhauen. Ich habe sogar die Hoffnung, dass eine Ratsmehrheit von mir den Vorschlag Drei-Hallen-Konzept, umsetzbar in drei Bau-Phasen, beschliessen kann. Es reicht dann auch die Bau-Phase1 zu beschliesse. Damit liegen die Baukosten wesentlich niedriger. Statt Parkhaus fuer 10 Millionen Euro, waere ein Parkdeck auf Messehalle ebenfalls viel günstiger (und das Pardeck kann doppelte Kapazität sogar haben). Das wäre aber erst Bau-Phase 2.
    Gruesse, Matthias Beier UB-UWG
    Mitglied im Kreistag

  • Reply
    Martin Janke
    31. Mai 2018 at 21:35

    Hallo Herr Amtage,
    ihrem Statement merkt man sofort an, dass Sie Journalisten Background haben. Bloß geht es mir persönlich zu sehr in eine Richtung. So meinen sie, dass es unpopolurär sei für den Neubau zu stimmen und diese Meinung kann ich überhaupt nicht teilen, denn die großen Parteien im Rat werden vermutlich für einen Neubau stimmen. Dann ist der Bürgermeister nebst Verwaltung fein raus, denn sie werden sagen, die Politik hat das beschlossen. So läuft das auf der kommunalen Ebene, dass wissen Sie doch auch.
    Nun zu den Fakten: Sie schreiben, der Neubau wäre ein wichtiger Teil der Infrastruktur des rechten Weserufers. Da ist doch gar keine Struktur, schauen Sie sich da mal näher um. Allein die Verkehrssituation in diesem Bereich ist doch eine einzige Katastrophe und das Umfeld auch. Dann sagen Sie, Minden sei eine Mittelstadt mit Großstadtfunktion. Das war vielleicht vor 3 Jahrzehnten so. Inzwischen ist Minden nicht mal mehr eine gute Mittelstadt, in die Leute aus dem Umland gern zum einkaufen oder feiern kommen. Systematisch wurde in den letzten Jahren doch alles dafür getan, dass nur noch das Haus Hagemeyer etwas Flair hat. Alles andere ist doch mehr oder weniger kaputt gemacht worden. Da muss ich auch nicht „Großdenken“, denn es ist dann schon eher „Größenwahn“ so zu tun als sei Minden der Nabel Ostwestfalens.
    Die Frage ist doch wer braucht diese Halle wirklich. GWD sicher nicht (das haben Sie ja auch erkannt), die Zuschauerzahlen sprechen eine deutlich andere Sprache. Auch wenn die Verantwortlichen von GWD meinen mit einer neuen Halle würde alles besser. Sie führen dann an: Tagungen, Konzerte, Abifeten und Damen- und Herrenabende. Dafür braucht man keine Multifunktionsarena, dafür ist die Kampa Halle durchaus geeignet. Sie sagen auch, die Kampa Halle zu sanieren sei eine Fehlinvestition. Ich wundere schon seit Beginn der Diskussion darüber, dass immer wieder behauptet wird, die Kampa Halle sei marode. Das ist doch überhaupt nicht der Fall. Bei allem Respekt, da muss man sich doch mal genauer anschauen um welche Investitionen es geht. Die Lüftungsanlagen (über 30 Jahre alt) müssen komplett erneuert werden und es müssen Brandschutzauflagen erfüllt werden, um den verschärften Bestimmungen für Versammlungsstätten gerecht zu werden. Und ja, das Ein oder Andere muss zusätzlich gemacht werden. Aber deswegen ist die Kampa Halle nicht marode oder gar abgängig, das ist einfach nicht richtig. Außerdem muss der Kreis ohnehin sanieren, auch wenn die Halle nur noch für den Schulsport genutzt wird, wobei ich mich frage, ob das wirklich sinnvoll sein kann, solch eine Halle nur dafür nutzen zu wollen. Ich kann mich Ihrer Meinung überhaupt nicht anschließen. In der ganzen Debatte hat niemand wirklich nachgefragt, ob und wie die Kampa Halle weiter genutzt werden kann. Das Turnevent kann dort nicht mehr stattfinden, weil dafür andere Voraussetzungen nötig sind und internationale Volleyballturniere auch nicht. Das ist ja wohl zu verschmerzen. Dann wird ja auch immer gesagt, die Kampa Halle ist und bleibt eine Sporthalle, klar ist sie, aber die Seidenstickerhalle in Bielefeld ist auch eine Sporthalle und bleibt es auch. Das Veranstalter wie Stratmann lieber in eine neue Halle gehen ist auch logisch, denn der Aufwand für Veranstalter ist wesentlich geringer und damit haben sie auch weniger Kosten, es bleibt halt mehr über an Gewinn.
    Zum Punkt, Entwicklung des alten Güterbahnhofs kann ich nur sagen, da wird viel zu viel „rein interpretiert“. Jahrzehntelang hat sich niemand darum gekümmert und nun muss dort unbedingt eine neuer Hotspot entstehen. Damit die Innenstadt noch mehr kaputtgeht, oder warum? Früher war die Altstadt ein solcher Hotspot, die wurde systematisch durch Auflagen kaputtgemacht, oder? Nun sind neue „Männer“ in der Stadtverwaltung in Aktion, die sich profilieren müssen. Da kommt so ein Bau doch genau richtig. Die Politikerinnen und Politiker könnten sich natürlich auch damit rühmen, etwas „Großes“ zu schaffen, ohne aber die Folgen wirklich richtig im Blick zu haben. Sicher gibt es viele die so denken wie Sie, Herr Amtage; aber deswegen den Gegnern vorzuwerfen, sie würden nicht groß denken, ist nicht ok. Und ihr Hinweis auf Gelder, die in andere Dinge gesteckt werden und dort mehr oder weniger versickern, ist ungerecht den Leuten gegenüber, die mit viel Engagement versuchen zumindest etwas Lebendigkeit in die Stadt zu bringen. Minden ist nicht mehr das was es war und damit will ich nicht sagen, dass früher alles besser war. Es wurde viel zu oft „groß gedacht“ ohne Realitäten anzuerkennen.
    Ich werde mit meiner Meinung nichts bewirken, weil ich keine Lobby habe. Trotzdem wollte ich zumindest Sie dazu bringen, alles was Sie geschrieben haben zu hinterfragen, speziell was die ach so „marode“ Kampa Halle betrifft.
    Viele Grüße
    Martin Janke

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