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Multihalle in Minden: Die Angst des Rates vorm Elfmeter

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn, lautet ein Sprichwort. Hinter blinden Fenstern wird am Donnerstag im Rathaus über die Multihalle diskutiert. Wobei das Korn morgen vermutlich noch nicht gefunden wird. Foto: Amtage bloggt

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn, lautet ein Sprichwort. Hinter blinden Fenstern wird am Donnerstag im Rathaus nicht über die Multihalle diskutiert, sondern im Ausweichquartier Kreishaus. Wobei das Korn morgen vermutlich auch dort noch nicht gefunden wird. Foto: Amtage bloggt

Morgen, Leute, wird’s was geben, morgen werden wir uns in Minden freuen. Weit gefehlt. Morgen gibt es wahrscheinlich gar nichts. Außer einer Vertagung.

Dabei war der 12. Juli doch als eine Art Tag des Herrn gedacht, wenn es um die Multifunktionshalle geht, die in Mindener Munden kurz Multihalle genannt wird. Morgen wollte der Rat entscheiden, ob die Realisierung der Eventhalle auf dem Rechten Weserufer nun trotz aller finanzieller Bedenken angegangen werden soll, oder das Projekt in der Versenkung verschwindet. Aber: nein, no, non, niet, la, bù, oder welche Sprache man auch immer bemühen möchte. Die Multihalle wird morgen wohl weder angegangen noch versenkt. Man will noch mal reden und überreden, so die gesendeten Zeichen aus der Politik.

Aha. Also, vier Wochen nachdem man in großer politischer Runde stundenlang zusammengesessen und sich informiert hat, dass das alles sehr teuer werden könnte, es auch noch andere Schwierigkeiten gibt und neue (Finanzierungs-)Ideen dringend notwendig wären, um das Objekt wahr werden zu lassen, will man also noch mal mit der Wirtschaft, mit sich selbst, mit anderen – reden. Was, frage ich mich angesichts dieser Aussichten, hat die Politik in den vergangenen vier Wochen gemacht? Gebetet, meditiert, sich in den Tiefschlaf versetzt, um dann morgen Früh aufzuwachen und festzustellen, dass fehlende Millionen plötzlich vom Himmel geregnet sind?

Zerstritten und schein-wichtig

Es erscheint mir eher so, dass ein Großteil der Ratsmitglieder, die die Multihalle gerne realisieren würden, eher Angst davor haben, einmal kräftig vor den Ball zu treten und den Elfmeter im gegnerischen Tor zu versenken (um es im aktuellen WM-Jargon zu schreiben). Denn während das größere Team aus SPD und CDU auf dem Platz steht und Stärke zeigen könnte, sehen sich die Rot-Schwarzen einem bunten Gemisch aus mehr oder minder politischen Chaoten gegenüber. Die sogenannten „Kleinen“ zeichnen sich – jedenfalls teilweise – durch viele Besonderheiten aus. Eine davon ist, dass sie zum Teil in ihren eigenen (ehemaligen) Minifraktionen politisch – und manchmal auch persönlich – so zerstritten sind, dass sie es nicht mehr miteinander aushalten und diese kleinen politischen Einheiten als Einzelkämpfer verlassen. Dann haben wir noch Kräfte, die permanent auf der Suche sind, sich anderen anzuschließen, damit sie aus ihrer eigentlichen Bedeutungslosigkeit herauskommen (obwohl sie in ständigen Erklärungen so tun, als seien sie die bedeutendsten PolitikerInnen unter Sonne). Und da wären noch diejenigen, die nun die wahre Kostenlehre dozieren, obwohl sie bei eigenen Projekten immensen finanziellen Schaden angerichtet haben, die in der Zurückzahlung von erheblichen öffentlichen Zuschüssen mündeten und dennoch den Allgemeinbürger belasteten.

Blickt man zudem noch gut ein Jahrzehnt zurück, dann sind es genau solche Spittergruppen (auch in der Bürgerschaft) gewesen, die das Projekt Domhof-Galerie mit einem Bürgerentscheid verhindert haben. Damals großes Schulterklopfen unter den zweifelhaften Siegern. Heute kein Ton von diesen Protagonisten darüber, dass genau dieser Entscheid dazu geführt hat, dass das sogenannte neue Rathaus, der Deilmann-Bau, für mindestens 36 Millionen Euro saniert werden muss. Um dann hinterher festzustellen, dass man immer noch ein (nun auch noch denkmalgeschütztes) Rathaus hat, das man eigentlich in die Tonne treten müsste.

Dieses Konglomerat aus politischen und angeschlossenen bürgerschaftlichen Nein-Sagern lässt also nun erneut bei den „Großen“ die Beine zittern, was vermutlich dazu führen wird, dass die den zwingend notwendigen Elfmetererfolg gnadenlos versemmeln werden.

Minden braucht einen Erfolg auf dem Rechten Weserufer

Denn Minden braucht auf dem Rechten Weserufer – genau genommen im Bereich der ehemaligen Bahnanlagen – einen Erfolg. Quasi einen Startschuss, der mittelfristig die Entwicklung des Quartiers zum Positiven in Gang setzt. Und, da werden wir noch soviel diskutieren können wie wir wollen, dieser Startschuss wird die Stadt und damit uns Bürgerinnen und Bürgern Geld kosten. In anderen Kommunen heißt das Wirtschaftsförderung – und die ist nicht umsonst zu haben. Dabei sehe ich das natürlich genauso wie die Allermeisten: man muss sehr gut rechnen.

Wenn aber in Minden Wirtschaftsförderung weiterhin bedeutet, dass ein Sammelsurium von eigentlich sich nicht einmal unter sich einigen Politikern den kleinsten gemeinsamen Nenner in Bürger-Verhinderungs-Entscheiden findet und Entwicklungen blockiert, dann kann ich nur feststellen: Armes Minden!

Also, ihr „Großen“ im Rat, redet endlich intensiv, täglich, mit den richtigen und wichtigen Ansprechpartnern und macht ihnen deutlich, dass Minden wir alle sind. Und dass diese Stadt es verdient hat, zu florieren, Zeichen zu setzen, zu entwickeln und Mut zu zeigen. Auch wenn es Geld kostet und unpopulär scheint!

Text und Foto: © Hans-Jürgen Amtage | Text und Foto dürfen geteilt werden.

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