Auschwitz: Die grausame Ansiedlung endete im Tod

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau – vor einigen Jahren habe ich die Gedenkstätte im Rahmen einer Studienreise besucht. Aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz hier mein Bericht, den ich damals für verschiedene Medien verfasste:

Das Konzentrationslager Auschwitz II - Birkenau. Weit mehr als eine Million Menschen - vor allem Juden - wurden hier eingepfercht und getötet. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage
Das Konzentrationslager Auschwitz II – Birkenau. Weit mehr als eine Million Menschen – vor allem Juden – wurden hier eingepfercht und getötet. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage

Die Sonnenstrahlen brechen sich in den Blättern, die im leichten Wind an den Ästen der Baumallee wippen. Alles wirkt ruhig und still. Entspannungsatmosphäre.

Doch die Entspannung mag nicht greifen. Und auch die Stille trügt. Denn es ist eine Totenstille, die über der 1947 eröffneten Gedenkstätte des staatlichen Museums im polnischen Oświęcim liegt. Fünf Jahre lang, von Juni 1940 bis Januar 1945 erregte dieser Ort, von den Nazis in Auschwitz umbenannt, unter den Völkern der von den Deutschen während des Zweiten Weltkrieges besetzten Länder Schrecken. Weit mehr als eine Millionen Menschen wurden hier und in dem nur etwa drei Kilometer entfernten Konzentrationslager Auschwitz II in Birkenau (Brzezinka) von den Nazis vergast oder erschossen und anschließend verbrannt.

Den Eingang zum Lager „schmücken“ auch heute noch die zynischen Worte „Arbeit macht frei“. Gegründet wurde das KZ Auschwitz 1940 für polnische politische Häftlinge. Doch dann begannen Hitlers Gefolgsleute hierher Menschen aus ganz Europa zu bringen. Unter den Häftlingen vor allem Juden.

Nazis stufen Auschwitz als „ideal“ ein

Die Nazis hatten den Standort für dieses Konzentrationslager als ideal eingestuft. Er befand sich außerhalb des bebauten Stadtgebietes, was Ausbau und Isolation vereinfachte. Und: Oświęcim bildete einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt.

Der zynische Satz "Arbeit macht frei" steht über dem Tor zum Konzentrationslager Auschwitz. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage
Der zynische Satz „Arbeit macht frei“ steht über dem Tor zum Konzentrationslager Auschwitz. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage

Zeitgleich bis zu 20.000 Häftlinge wurden in diesem späteren Stammlager untergebracht. Mit dem Anwachsen der Häftlingszahl vergrößerte sich auch das Lagergebiet, 1941 kamen Birkenau und 1942 Monowitz (Auschwitz III) auf dem Fabrikgelände der IG-Farben-Werke sowie in den Folgejahren 40 Nebenlager hinzu.

Konzentrierten sich die Nazis zuerst auf die allmähliche Vernichtung der Häftlinge durch Hunger, schwere Arbeit und medizinische Experimente, wie beispielsweise Sterilisationen an jüdischen Frauen, so entwickelte sich ab 1942 Auschwitz zum größten Vernichtungszentrum für Juden.

Viele der nach Auschwitz deportierten Menschen waren mit der Überzeugung gekommen, dass sie zur Ansiedlung im Osten Europas bestimmt seien, und so brachten sie häufig die kostbarsten Dinge ihrer Habe mit, die ihnen das Lagerpersonal sofort abnahm. Der größte Teil der Juden starb sofort nach dem Eintreffen in den Gaskammern, ohne dass die Kinder, Frauen und Männer registriert wurden.

100.000 Menschen vegetieren in den Lagern

Die, deren Leidensweg länger andauerte, wurden in die menschenunwürdigen Lager gepfercht, wie es besonders in Birkenau deutlich wird. Das 175 Hektar große KZ war mit 300 Baracken bebaut, von denen heute noch einige gemauerte und hölzerne Gebäude stehen. Bis zu 100.000 Männer und Frauen vegetierten zu Spitzenzeiten in diesem Lager. Etwa 1000 Häftlinge wurden in den genormten Baracken ohne Fußböden untergebracht, deren ursprünglicher Zweck Ställe für Pferde waren. Die dreistöckigen Kojen waren mit verfaultem Stroh ausgelegt.

Bis zu 1000 Menschen mussten unter elendigsten Bedingungen in den einzelnen Baracken in Birkenau leben. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage
Bis zu 1000 Menschen mussten unter elendigsten Bedingungen in den einzelnen Baracken in Birkenau leben. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage

Es fehlte an Nahrungsmitteln, Wasser, die hygienischen und sanitären Verhältnisse waren katastrophal, und Unmengen von Ratten machten sich im Lager breit. Die Überlebensdauer der Häftlinge wurde von den Aufsehern mit neun Monaten kalkuliert.

An diesem Ort bauten die Nazis auch die meisten Vernichtungseinrichtungen: Gaskammern, Krematorien, Verbrennungsgruben.

Systematische Tötung vor allem jüdischer Menschen

Vom Tor des Lagers und der Hauptwache der SS aus zieht sich der Eisenbahnstrang zu der Ausladerampe hin, wohin der größte Teil der Züge mit deportierten Juden geleitet wurde. Hier entschieden Ärzte der SS, wer sogleich mit dem Giftgas Zyklon B liquidiert werden sollte und wer für den Arbeitseinsatz bei der IG Farben in Frage kam.

Die systematische Ermordung der – überwiegend jüdischen – Menschen war für die Nazis und Industrieunternehmen ein riesiges Geschäft. Menschenhaare und Zahngold wurden verkauft, die Industrie verdiente am Vertrieb des Todesgases Zyklon B.

Rote Armee befreit das Konzentrationslager im Januar 1945

 

Die Krematorien im KZ liefen auf Hochbetrieb. Hier wurden hunderttausende Leichname verbrannt. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage
Die Krematorien im KZ liefen auf Hochbetrieb. Hier wurden hunderttausende Leichname verbrannt. Archivfoto: Hans-Jürgen Amtage

Heute, Jahrzehnte nach Befreiung des Lagers durch Truppen der Roten Armee, weisen Relikte in den Ausstellungsräumen und den Lagern selbst auf die grausamen Taten hin. Zwei Krematorien und Gaskammern sprengten die sich im Januar 1945 zurückziehenden SS-Schergen in die Luft, um wahrscheinlich die Spuren ihrer Verbrechen verwischen zu wollen.

Genau diese Ruinen sind es, die heute eine besondere Gedenkstätte bilden: Kleine Holzschilder mit den Namen ermordeter Juden, in die Trümmer des Vernichtungszentrums gesteckt, erinnern an das, was Menschen Mitmenschen angetan haben und das sich bereits im Jahr 1938 in der Reichspogromnacht und den damit verbundenen Synagogen-Bränden auch in Minden abzeichnete.

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Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Von Amtage bloggt

Der Autor: Der Mindener Journalist Hans-Jürgen Amtage (65) ist stellvertretender Chefredakteur im Ruhestand. Viele Jahre leitete er die Lokalredaktionen des Mindener Tageblattes und des Vlothoer Anzeigers. Davor war er unter anderem Leiter und Moderator des RTL-Landesstudios in Hannover sowie Landtagskorrespondent im niedersächsischen Landtag. Außerdem wirkte er als freier Journalist für den Radiosender Antenne Niedersachsen.

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