In der Mindener Verwaltungsspitze ist was faul | Eine Analyse

Von Hans-Jürgen Amtage

Was ist in der Verwaltungsspitze der Stadt Minden los? Während Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) stets bemüht ist, auf das gute Klima im Verwaltungsvorstand hinzuweisen, spricht die Gerüchteküche eine andere Sprache. Aus ihr steigen seit Monaten Dünste auf, die glaubhaft darauf verweisen: In dieser Spitzenküche ist etwas oberfaul.

Jüngster Hinweis auf die üble Spitzensuppe ist der Weggang der Bildungs- und Kulturbeigeordneten Stefanie Duensing (46). Mit ihrem Ausscheiden sinkt die Halbwertzeit der eigentlich auf acht Jahre gewählten Spitzenkräfte in diesem Bereich auf gerade einmal zwei Jahre. Denn zuvor hatte schon ihre Vorgängerin frustriert das Handtuch geworfen – deutlich vor Ablauf der Wahlperiode.

Die Gründe sind subtil

Offiziell lautet die Begründung für den Weggang immer gleich: umfangreicherer Aufgabenbereich im neuen Job, Nähe zur Heimat oder zur Familie und so weiter. Doch die Gründe dürften viel subtiler sein. Doch dazu später mehr.

Betrachten wir doch noch einmal die Stimmung im Verwaltungsvorstand und in den verantworteten Bereichen. Immer wieder ist zu hören, die Vorstandsmitglieder seien zum Großteil entnervt. Das mag sich darin äußern, dass ein Mitglied auch schon mal die Vorstandssitzung verlässt, weil es schlichtweg „die Schnauze voll hat“ von den Geschehnissen in diesem Gremium. Von anderen ist zu hören, dass es ihnen gefühlt nicht besser geht – und sie wahrscheinlich auch schon weg wären, wenn es nicht persönliche Bindungen gäbe.

Dass der Erste Beigeordnete Peter Kienzle (57) sich nach 24 Amtsjahren nicht zur Wiederwahl stellt, ist auch aus Alterssicht nicht ungewöhnlich. Doch auch hier ist sehr stark zu vermuten, es gibt andere Gründe als nur den Blick auf das Alter.

Ein Fachbereich sticht bei Problemen hervor

Apropos Blick: Schaut man einmal in die von den Spitzenkräften der Stadt verantworteten Fachbereiche, fällt besonders auf, dass ein Bereich immer wieder hervorsticht: die Gebäudewirtschaft. Von Mitarbeitenden ist zu hören, sie hätten sich schon lange innerlich verabschiedet. Und es folgen Hinweise auf Dinge, die in diesem Bereich alles andere als gut gelaufen sind oder gerade laufen. Beispiele sind die Verzögerungen bei der Theatersanierung, die katastrophal laufende Sanierung des sogenannten neuen Rathauses mit seiner unendlichen Geschichte um die Tiefgarage. Die Problematik mit den öffentlichen Toiletten in Minden, verpatzte Anträge auf öffentliche Zuschüsse und so weiter und so fort.

Zieht man einen Strich unter diese Auflistung und macht eine Bilanz auf, steht am Ende ein Name: Norbert Kresse.

Der ist eigentlich Kämmerer der Stadt Minden. Nach einigem Hin und Her seit dem vergangenen Jahr auch Beigeordneter und seit langem Mitglied des Verwaltungsvorstandes. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er es in den vergangenen Jahren verstanden hat, ein ziemliches Machtgefüge aufzubauen und eine Vielzahl von Aufgaben an sich zu binden.

Der heimliche Bürgermeister

Eigentlich sollte sich ein Kämmerer in einer Stadt wie Minden, mit all ihren Problemen, ausschließlich um die Finanzen kümmern. Doch Kresse scheint das nicht zu reichen. Er ist verantwortlich für Gebäudewirtschaft (siehe oben), macht dann auch mal in Bildung und Kultur und wird inzwischen als der „heimliche Bürgermeister“ bezeichnet, der geschickt seine selbst geschaffene Macht auszuspielen weiß.

Das dürfte auch darin begründet sein, dass der (Noch-)Bürgermeister Michael Jäcke (62), der nicht wieder kandidieren wird, in der Vergangenheit den ein oder anderen Fehler begangen hat. Andere hätten diese Fehler überwunden, Jäcke hadert aber seither, was ihn enorm schwächt. Dabei ist er ein zweifelsohne guter Repräsentant für die Stadt. Er weiß auf die Menschen zuzugehen, zeigt sich auf Veranstaltungen eloquent. Aber das alles gilt nicht für seine Verwaltungsführung. Und so heißt es immer wieder: der eigentliche Macher ist Norbert Kresse.

Das ist, gelinde ausgedrückt, eine Totalkatastrophe. Besonders in einer Zeit, wo Teamgeist gefragt wäre – und eine gute Führung.

Pandemie, Krieg in Europa, Wirtschaftskrise – sind keine Entschuldigung

Nun kann man Kresse nicht zum Vorwurf machen, dass die vielen „Pannen“ besonders in seinem Zuständigkeitsbereich, der Gebäudewirtschaft, ausschließlich ihm persönlich anzulasten seien. Pandemie, Krieg in Europa, Wirtschaftskrise – all das spielt sicherlich hinein – ist aber keine Entschuldigung. Daher muss die Frage erlaubt sein – und die hätte schon längst auch in der Politik heftig diskutiert werden müssen -, ist der Kämmerer ob seiner selbst geschaffenen Ämterhäufung arg überlastet? Hat er noch den Durchblick? Stimmt es, dass er auf eine ganz subtile Art und Weise massiv in Bereiche hineingreift, für die er gar nicht (mehr) zuständig ist? Spielt er eine wesentliche Rolle bei den Zuständen, die im Verwaltungsvorstand herrschen? Ist er der eigentliche Grund, warum hervorragende Kräfte das Handtuch werfen oder entnervt sind?

Fragen über Fragen, die unbedingt geklärt werden müssen. Aber nein, die Gehirne einzelner Kommunalpolitiker vor allem auch der SPD scheinen vom Kresse-Rausch so benebelt zu sein, dass sie gar nichts mehr merken. Nicht anders ist zu erklären, dass Heiko Wesemann, einer der möglichen Bürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl 2025, jüngst im Mindener Tageblatt mit Blick auf „riesengroße Herausforderungen“ erklärte:  Stadtkämmerer Norbert Kresse könne – wie schon einmal – die Vertretung für Duensing bei Bildung und Kultur übernehmen. Das könne positive Effekte haben.

Auf die bin ich allerdings persönlich sehr gespannt.

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Von Amtage bloggt

Der Autor: Der Mindener Journalist Hans-Jürgen Amtage (65) ist stellvertretender Chefredakteur im Ruhestand. Viele Jahre leitete er die Lokalredaktionen des Mindener Tageblattes und des Vlothoer Anzeigers. Davor war er unter anderem Leiter und Moderator des RTL-Landesstudios in Hannover sowie Landtagskorrespondent im niedersächsischen Landtag. Außerdem wirkte er als freier Journalist für den Radiosender Antenne Niedersachsen.

2 Kommentare

  1. Super Blogg – werde ich weiter verfolgen.
    Wenn man das liest, wird einem einiges klar. Das in unserem Rathaus einiges und drumherum vieles nicht passt, merkt man auch als Nicht-Insider. Auch rund um unseren Landrat und seine ‚Machenschaften‘ und seinen Umgang mit Mitarbeitern ist vieles sehr unschön. Unterm Strich hängen alle nur an ihrer Macht und die Bürger sind nur lästiges beiwerk.

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